Mitteilung des Europäischen Parlamentes zur Lebensmittelsicherheit − 06-10-2011
Ostafrika leidet unter einer extremen Hungersnot. Entwicklungshilfe allein genügt aber nicht, um solche Katastrophen zu vermeiden, so das Fazit einer Anhörung im Entwicklungsausschuss des EU-Parlaments. Kleinbauern müssen effizienter arbeiten, notwendig sei auch eine Reform der internationalen Handelsregeln und der EU-Agrarpolitik.
Weltweit leiden fast 1 Milliarde Menschen an Hunger, schätzen die Experten der UN-Ernährungsorganisation FAO. Die ostafrikanischen Länder Somalia, Äthiopien, Kenia, Eritrea und Dschibuti durchleben derzeit die schlimmste Hungersnot seit 60 Jahren mit zehntausenden Toten und Millionen Hungernden.
Doch alle Entwicklungshilfe aus Europa bleibe sinnlos, wenn die EU weiter Nahrungsmittelexporte europäischer Bauern subventioniere und so Bauern außerhalb der EU in Bedrängnis bringe, erklärte die französische Grünenabgeordnete Eva Joly.
Landwirtschaft muss sich lohnen
David Nabarro, Leiter der UN Task-Force für Nahrungsmittelsicherheit, stimmte ihr zu: Nur wenn Bauern auch von ihrer Ernte leben können, sei eine sichere Versorgung mit Nahrungsmitteln möglich. Dies dürfe aber nicht auf Kosten der Natur geschehen.
Mamadou Cissokho, Präsident der westafrikanischen Bauernvereinigung ROPPA, appellierte an afrikanische Regierungen mehr für ihre Kleinbauern zu tun, da sich sichere Versorgung mit Nahrungsmitteln nicht einfach am Weltmarkt einkaufen lasse.
Der Bauernführer und französische Grünen-Abgeordnete José Bové bezeichnete die Welthandelsregeln für Agrarprodukte als ein Desaster für Kleinbauern aus Entwicklungsländern. Das Recht auf Nahrung sei bereits ein Grundrecht, nun sollte auch das Recht auf Nahrungsmittelunabhängigkeit in diesen Kanon aufgenommen werden.
Hilfe zur Selbsthilfe
Einig waren sich die Teilnehmer bei der Forderung nach koordinierter Handels-, Landwirtschafts- und Entwicklungspolitik. In einer vor kurzem vom EU-Parlament verabschiedeten Resolution werden auch vermehrte Investitionen in den Agrarsektor gefordert sowie weltweite Lagerbestände für Grundnahrungsmittel, der Abbau von Handelsbarrieren und ein Schuldenerlass für die ärmsten Staaten.
Auf lokaler Ebene sollte die EU Bauernvereinigungen stärken und Ausbildungen anbieten, um die Wettbewerbsfähigkeit von Kleinbauern zu verbessern. Mikrokredite seien dafür sehr hilfreich.
Kampf gegen Spekulation
Das würde nicht nur die Versorgung mit Nahrungsmitteln verbessern, sondern auch die Wirtschaft vor Ort. In Entwicklungsländern arbeiten noch immer rund 70 % der Bevölkerung in der Landwirtschaft, vor allem Frauen.
Besonders wichtig sei es daher auch, unreglementierten Landkauf durch ausländische Investoren und die Spekulation mit Nahrungsmitteln einzuschränken. So kam es 2008 weltweit zu Nahrungsmittelkrisen, obwohl im selben Jahr in vielen Ländern Rekordernten eingefahren wurden.