Dennis L. Meadows vor der Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“: 1 Auftritt, 3 Pressemitteilungen

Vom DNR-Fachverteiler erhalten am 25.10.2011 – 3 Pressemitteilungen zum selben Ereignis:

http://www.bundestag.de/presse/hib/2011_10/2011_421/02.html

Heute im Bundestag – 24.10.2011

Pessimistisches Szenario

“Eigentlich schon zu spät für Nachhaltigkeit”

Berlin: (hib/KOS) Angesichts bedrohlicher Umweltgefährdungen und wachsender ökonomischer Probleme sieht Dennis L. Meadows die dringende Notwendigkeit, mit Nachdruck einen Kurswechsel im Sinne der Nachhaltigkeit einzuschlagen. Vor der Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ äußerte sich der US-Ökonom am Montagnachmittag jedoch pessimistisch, was die Chancen zur Umsetzung entsprechender Reformen angeht. Der fortschreitende Klimawandel, die Verknappung der Ressourcen oder der wachsende Gegensatz zwischen Arm und Reich lehrten, dass es für eine „nachhaltige Entwicklung eigentlich schon zu spät ist“. Der emeritierte Professor warf Politik wie Bürgern vor, vorwiegend an kurzfristigen Vorteilen statt an langfristigen Erfordernissen interessiert zu sein.

Der Ausschuss unter dem Vorsitz der SPD-Abgeordneten Daniela Kolbe wollte mit dem 69-Jährigen, Co-Autor der 1972 vom Club of Rome veröffentlichten Studie zu den „Grenzen des Wachstums“, über eben dieses Thema diskutieren. Das Gremium soll das rein ökonomisch und quantitativ ausgerichtete Bruttoinlandsprodukt als Messgröße für gesellschaftliches Wohlergehen weiterentwickeln und etwa um ökologische, soziale und kulturelle Kriterien ergänzen. Letztlich soll die Arbeit der Kommission in die Definition dessen münden, was als qualitatives Wachstum gilt und wozu beispielsweise die Entkoppelung des Ressourcenverbrauchs von der Steigerung der Wirtschaftsleistung gehört.

Meadows sagte massive Probleme auch ökonomischer Natur voraus, wenn es nicht zu einer Begrenzung des Wachstums komme. Dies werde nicht erst in ferner Zukunft, sondern in einem überschaubaren Zeitraum der Fall sein: „Bis 2030 wird es Veränderungen in einem Ausmaß geben wie insgesamt in den vergangenen 100 Jahren.“ Allein das weitere Anwachsen der Weltbevölkerung, so der Systemanalytiker, werde den Ressourcenverbrauch spürbar vergrößern. Schon die Expertise von 1972 habe prognostiziert, dass das Wachstum bis 2000/2010 zwar weiter voranschreiten werde. Doch danach werde die hinter dieser Entwicklung stehende Politik zu wirtschaftlichen Einbrüchen führen.

Meadows warnte davor, bei dem Versuch, die ökologisch negativen Folgen des Wachstumskurses einzudämmen, zu sehr auf den natürlich notwendigen technischen Fortschritt zu setzen. So nehme trotz aller technologischer Effizienzsteigerungen der Kohlendioxidausstoß weiter zu. Auch der vorbildliche Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland habe diesen Trend nicht stoppen können. Der Wissenschaftler sieht die zentrale Aufgabe darin, ein niedrigeres Niveau der Wirtschaftsleistung, das im ökologischen Interesse erforderlich ist, mit dem sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft zu verbinden. Meadows räumte im Übrigen ein, 1972 unterschätzt zu haben, in welchem Umfang der technische Fortschritt seither die Nahrungsmittelproduktion auszuweiten vermochte.

Harte Kritik übte der US-Ökonom an der Politik, die nur den kurzfristigen Effekt und nicht langfristige Notwendigkeiten im Auge habe. Die Erfordernisse einer nachhaltigen Entwicklung verursachten nun mal zunächst Kosten ohne sichtbaren Nutzen, während sich die Vorteile eines solchen Kurswechsels erst später zeigten würden. Meadows monierte, dass sich die Politik wissenschaftlichen Erkenntnissen etwa über die Gefahren für das Klima nicht im nötigen Maße öffne. Die Kritik von 1972 sei jedenfalls in der Politik folgenlos geblieben. Auch viele Bürger wollten heute keine Opfer im Interesse des langfristigen Nutzens bringen.

Vom CDU-Abgeordneten Matthias Zimmer wurde Meadows gefragt, ob er angesichts der Widerstände in der Politik ein autoritäres Regierungssystem etablieren wolle, um ökologische Notwendigkeiten durchsetzen zu können. „Ich liebe die Demokratie“, antwortete der Wissenschaftlicher. Niemand könne jedoch voraussagen, welche politischen Systeme sich in Zukunft herausbilden würden. Letztlich werde die gesellschaftliche Entwicklung von objektiven Faktoren bestimmt, erklärte Meadows. So werde das Ende der Ölvorkommen in Saudi-Arabien eines Tages sowohl die dortige Monarchie als Exporteur wie die westlichen Demokratien als Importeure treffen.

———————————————————————–

http://www.cducsu.de/Titel__pressemitteilung_wachstum_und_nachhaltigkeit_ein_widerspruch/TabID__6/SubTabID__7/InhaltTypID__1/InhaltID__20058/Inhalte.aspx

CDU/CSU-Bundestagsfraktion – 25.10.2011

Dr. Georg Nüßlein

Wachstum und Nachhaltigkeit – ein Widerspruch?

Markt für ressourceneffiziente Produkte fortentwickeln

Dennis Meadows, der Autor der Studie des Club of Rome, „Die Grenzen des Wachstums“, die in den 70er Jahren breit diskutiert wurde, war am Dienstag – auf Vorschlag der Opposition – zu Gast bei der Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“. Dazu erklärt der Obmann der CDU/CSU-Bundestagsfraktion in der Enquete-Kommission, Georg Nüßlein:

„Das Ergebnis des Vortrages war enttäuschend. So hatte Meadows keine wirtschaftspolitischen Ideen oder Strategien anzubieten, um dem Klimawandel sowie den Gefahren der zunehmenden Staatsverschuldung zu begegnen.Vielmehr forderte er einen generellen Wachstumsverzicht und eine drastische monetäre Umverteilung von Industrie- zu Entwicklungsländern.

Sowohl die Politik des Verzichts als auch eine reine Umverteilungspolitik, wie sie Teile der Opposition – wohl auch aus ideologischen Gründen – weiter predigen, sind aus unserer Sicht jedoch gescheitert.

Die Union begreift die notwendige ökologische Modernisierung als Chance für Innovation, Fortschritt und Wachstum.

Konsum und Wachstum müssen einer nachhaltigen Wirtschaft nicht entgegenstehen. Eine nachhaltige Ressourcenpolitik kann sehr wohl einen Beitrag dazu leisten, die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu sichern. Die Grundidee dabei ist, den Ressourcenverbrauch so weit wie möglich zu reduzieren, um unseren Wohlstand zu sichern.

Damit dies gelingt und Deutschland seine führende Position im Bereich der Effizienztechnologien verteidigen kann, ist die Fortentwicklung eines Leitmarktes für ressourceneffiziente Produkte maßgeblich – zum Beispiel für Recyclingverfahren im Bereich der Traktionsbatterie, die für die Förderung der Elektromobilität wichtig ist.

Die einzige Form der Wirtschaftspolitik, die Ökonomie und Ökologie erfolgreich zusammenführen kann, ist die soziale Marktwirtschaft.“

———————————————————————–

http://www.spdfraktion.de/cnt/rs/rs_dok/0,,58711,00.html

SPD-Bundestagsfraktion – 25.10.2011

Die Zukunft ist nicht vorhersehbar, aber wir können sie beeinflussen

AG der Enquete-Kommission “Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität”

Zur Anhörung “Grenzen des Wachstums” der Enquete-Kommission “Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität” mit Professor Dennis L. Meadows, erklärt die zuständige Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion Edelgard Bulmahn:

Die Menschen müssen mittels relevanter Indikatoren regelmäßig über den tatsächlichen Zustand unserer Welt informiert werden. Ein “weiter so” würde uns in kürzester Zeit in eine dauerhafte globale soziale und ökologische Krise führen. Nur so würden Menschen bereit sein ihr Verhalten zu ändern. Das gelte erst recht für Unternehmen.

Vorstände und Manager entscheiden sich für eine umweltfreundliche und ressourcenschonende Wirtschaftsweise, wenn sich dies auch in den wirtschaftlichen und finanziellen Bewertungskriterien (Indikatoren) niederschlagen wird. Aktuell messen wir allein mit dem Bruttoinlandsprodukt die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Landes. Um jedoch die aktuellen und zukünftigen Probleme bewältigen zu können, benötigen Unternehmer, Politiker und Konsumenten eine Bewertungsgrundlage, die neben wirtschaftlichen Wachstum auch Umweltschäden, Ressourcenverbrauch und soziale Faktoren wie zum Beispiel Einkommensverteilung und das Bildungsniveau umfassen.

Zum anderen muss Politik den Mut zum Handeln haben. Denn wenn die Politik die Herausforderungen unserer Zeit nicht aufgreift, wäre die Demokratie gefährdet. Notwendig sind dringend Maßnahmen zur Anpassung der sich wandelnden Rahmenbedingen auf der Welt. Dazu gehören, die globale Verteilungsfrage gerecht zu gestalten sowie Umweltschäden und den Ressourcenverbrauch zu reduzieren. Gerade eine starke Demokratie muss diesen Mut haben, um den notwendigen politischen und gesellschaftlichen Wandel erfolgreich gestalten zu können.

 

 

 

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*


*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>