Bio-Bauer schafft die Energiewende
Während in Brüssel diese Woche mit Getöse Gesetzesvorschläge für eine halbherzig-ökologische EU-Agrarpolitik bis 2020 vorgestellt wurden, hüpft so mancher österreichischer Bio-Bauer den hohen Herren vor, wie Nachhaltigkeit und Energieeffizienz funktionieren – in der Praxis.
Hinsichtlich Klimaschutz ist konventionelle Landwirtschaft ein Teil des Problems, Bio-Landwirtschaft ein Teil der Lösung.“ So lautet die zentrale Aussage von Univ.-Prof. Michael Narodoslawskys Studie „Ökologischer Fußabdruck der Biolandwirtschaft“, die diese Woche vorgestellt wurde. Wobei klar sein müsse, dass die Landwirtschaft alleine das Klima nicht retten könne“, sagte Prozesstechniker Narodoslawsky.
Allein, „man soll nicht immer nur aufzuzeigen, was man nicht darf, man muss auch Lösungen anbieten“, sagte Wolfgang Neumann, Initiator des Energy Globe Awards, des weltweiten Energiesparpreises. Wobei es Lösungen genug gebe: Photovoltaik, Biogas, Windenergie etc. „Jetzt geht es ums Tun“, sagte Martin Tragler, Obmann von „Bio Austria OÖ.“
Einer, der schon viel getan hat, ist Bio-Bauer Erwin Appenzeller. Seit 1980 stellt er sein Dasein und seinen Hof auf Bio um. Mittlerweile lebt seine Familie auf dem Neun-Hektar-Betrieb nahe Steyregg stromautark und nachhaltig (siehe Grafik). Man verdient an Getreideanbau und der Direktvermarktung von Bio-Vollkornbrot (zu 55 Prozent) sowie an der Einstellung von Pferden. „Um unseren Traum vom Frieden zu leben“, sagt Appenzeller, „gibt es nur eines: mit der Natur zusammenarbeiten.“
Webtipps: Sanierungs-Check www.energiespargemeinde.at, Ökologischer Fußabdruck www.fussabdrucksrechner.at
Warum Bio-Landwirtschaft Klimaschutz ist
Verfahrenstechniker Michael Narodoslawsky unterrichtet an der Technischen Universität Graz. Er untersuchte den Ökologischen Fußabdruck der Biolandwirtschaft.
OÖN: Warum hat ein Biobauer einen kleineren ökologischen Fußabdruck als ein konventionell wirtschaftender Landwirt?
Narodoslawsky: Der wesentliche Unterschied liegt in der Düngeführung und im Pflanzenschutz. Vor allem die Düngung mit Stickstoffdünger bedeutet einen wesentlichen Einsatz von fossiler Energie.
OÖN: Was macht Mineraldünger klimaschädlich?
Narodoslawsky: Eindeutig die fossile Energie, die notwendig ist, um den Stickstoff aus der Luft zu binden.
OÖN: Sie sprechen vom Nährstoffmanagement in der Landwirtschaft. Was heißt das?
Narodoslawsky: Als Landwirt nimmt man etwas von der Fläche, und dann muss man sehr genau schauen, was man auf diese Fläche zurückführt. Logistik und Form des Zurückgebens müssen stimmen.
OÖN: Ist es möglich, Felder und Äcker so nachhaltig zu bewirtschaften, dass sie unbeschädigt an die nächste Generation weitergegeben werden können?
Narodoslawsky: Von den Stoffflüssen her kann man das. Ich glaube auch, dass das von der tatsächlichen Bebauung aus möglich ist.
OÖN: Trägt die Landwirtschaft zur Erderwärmung bei?
Narodoslawsky: Eindeutig. Die Art und Weise, wie der Boden bewachsen ist, ist der wesentlichste Parameter für die Oberflächentemperatur. Studien zeigen, dass zum Beispiel bei Maiskulturen, wo das Feld lange brachliegt und offen bleibt, die Oberflächentemperatur massiv zunimmt. Wichtig ist auch die Frage, ob es gelingt, das Wasser im Boden zu halten und einen entsprechend engen Kreislauf aus Verdunstung und Abregnung zu schaffen. Daraus ergibt sich der interessante Nebeneffekt, dass Schlagwasser und Extremwettersituationen einfacher in den Griff zu bekommen sind.
OÖN: Ein Praxisansatz dafür wären sogenannte Agro-Forstsysteme …
Narodoslawsky: Das ist ein Nebeneinander von hoch wachsenden Pflanzen und Bäumen sowie von Feldfrüchten. Die Wälder wirken als Kühlrippen. Es war ja auch früher so, dass man Reine hatte zwischen den Äckern.
OÖN: Um welchen Faktor ist die Bio-Landwirtschaft weniger klimaschädigend als konventionelle?
Narodoslawsky: Biolandwirtschaft ist um den Faktor zwei auf jeden Fall besser, bei manchen Früchten um bis zu Faktor fünf.
OÖN: Inwiefern schlägt sich regionale Wertschöpfung im Ökologischen Fußabdruck nieder?
Narodoslawsky: Wichtig ist die regionale Wertschöpfung, weil sie Konsumenten und Produzenten eng zusammenschließt. Hier können wirkliche Partnerschaften passieren und ganz neue Möglichkeiten der Vermarktung entstehen. Was üblicherweise überschätzt wird, ist der Transport; Beispiel Tomate aus Spanien. Das hat einen geringen Anteil am Ökologischen Fußabdruck.
OÖN: Boden hat die Fähigkeit, CO2 zu speichern. Auch in der konventionellen Landwirtschaft?
Narodoslawsky: Nach meinen Informationen nicht. Dabei wäre die langfristige Speicherung von Kohlenstoff in Agrarflächen ein ganz wichtiger Beitrag zum Klimaschutz.
OÖN: Die Zeit der einfachen Lösungen in der Landwirtschaft ist vorbei, sagen Sie. Welche Lösungen gilt es anzustreben?
Narodoslawsky: Auf der einen Seite muss es dahingehen, dass der Produzent ganz nahe an den Konsumenten herangeht. Wir haben in Österreich eine gute Tradition der Selbstvermarktung, sind aber noch nicht dort, wo die Konsumenten tatsächlich sind. Das kann aber nicht jeder Bauer für sich tun. Da muss zusammengearbeitet werden.
OÖN: Wie agiert der Bio-Landwirt der Zukunft?
Narodoslawsky: Er muss sehr gut gebildet sein. Zweitens muss er Unternehmer sein, der in neue Geschäftsmodelle hineingeht. Drittens muss er ein Gefühl für die Natur haben. Er muss viertens verbunden sein mit seinen Kunden.
OÖN: Was sollte die Politik tun?
Narodoslawsky: Gut wäre, jene Förderungen, die im Moment in die falsche Richtung führen, zurückzunehmen. Unser System subventioniert fossile Rohstoffe durch niedrige Steuern – verglichen mit den Abgaben auf Arbeit. Außerdem sollte die Politik Risikokapital für neue Geschäftsmodelle und Technologien in der Landwirtschaft bereitstellen. Zudem muss die Politik klarstellen: Wir wollen eine Versorgung mit Lebensmitteln und Energien im nachhaltigen System.
OÖN: Wie sehen Sie die Rolle des Konsumenten?
Narodoslawsky: Die Rolle des Konsumenten ist eine stärker werdende.