Erstveröffentlichung am 19.04.2011:
Herwig Klemp
Die Bauern von Illmensee wollen sinnvolles Gärgut und kleine Biogasanlagen
Ort des Geschehens: Bodensee-Region. Es treffen sich die Mitglieder des Ortsvereins Illmensee im Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband (BLHV). Anwesend ist auch BLHV-Bezirksgeschäftsführer Holger Stich. Vorwiegend geht es um die Förderung von Biogas.
Die Anwesenden sind sich einig: Der vorrangige Anbau von Mais als Substrat zur Biogasgewinnung schadet dem Landschaftsbild, dem Boden und der gesamten Natur. Clemens Schäfer, seit 14 Jahren Vorsitzender des Ortsvereins Illmensee, nimmt deshalb an einem Versuch teil, in dem ausgewählte Wildpflanzenmischungen den Mais teilweise ersetzen sollen. Getestet werden jeweils eine Zusammenstellung ein- und mehrjähriger Pflanzen. Geprüft wird unter anderem der Energieertrag, den die Pflanzenmischungen im Vergleich zu Mais erbringen. Da die Wildpflanzenmischungen deutlich weniger Aufwand bereiten, was Düngung, Pflanzenschutz und Pflege anbelangt, wäre ein etwas geringerer Energieertrag immer noch wirtschaftlich.
Übereinstimmung besteht darin, das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) müsse so geändert werden, dass Mais nicht mehr einseitig bevorzugt wird. Einige der anwesenden Bauern fordern sogar, man solle den Bonus für nachwachsende Rohstoffe ganz streichen. Er führe ja auch zu Wettbewerbsverzerrungen auf dem Pachtmarkt. Ein Landwirt: „Wenn man mit der normalen Einspeisevergütung von 12 Cent pro Kilowatt nicht klarkommt, muss man die Biogasproduktion halt sein lassen.“
Ortsvorsitzender Schäfer betreibt seit 10 Jahren eine kleine Anlage, die nur 11 Cent pro Kilowatt abwirft. Vorwiegend bringt er Gülle und Speisereste in die Anlage ein – die Nutzung der Gülle ist seine wichtigste Intention. Bezirksgeschäftsführer Holger Stich berichtet, der Landesverband spreche sich für kleinbäuerliche Anlagen aus, die zum „Betrieb passen“. Es mache keinen Sinn, die Rohstoffe aus großen Entfernungen heranzuholen, wie dies bei großen Anlagen üblich sei.
Quelle: Südkurier vom 18.04.2011: