PRESSEMITTEILUNG der Universität Bielefeld vom 12.12.2011, Ingo Lohuis, erhalten über idw
Ergebnisse der Langzeitstudie zu “Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit” vorgestellt
Die Menschen in Deutschland haben zunehmend das Gefühl, dass die Politik die Probleme des Landes nicht mehr regeln kann. Das hat Konsequenzen für die Meinungen über schwache Gruppen, denn sie werden zuerst Opfer der negativen Beurteilung der Lage. Die Abwertung von Obdachlosen, Arbeitslosen und Behinderten, aber auch die Fremdenfeindlichkeit steigen erneut an. Auch und besonders Besserverdienende grenzen sich vermehrt von ärmeren Mitgliedern der Gesellschaft ab, und Engagement und Solidarität werden immer stärker danach bemessen, ob sie sich auch wirtschaftlich lohnen. Das sind zentrale Ergebnisse der Langzeitstudie “Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit” (GMF) des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) der Universität Bielefeld.
Die Studie hatte eine Laufzeit von zehn Jahren. Die Professoren Dr. Wilhelm Heitmeyer und Dr. Andreas Zick ziehen zusammen mit ihren Mitarbeitern am heutigen Montag in Berlin das Fazit und stellten den zehnten und letzten Band der Reihe “Deutsche Zustände” vor, in dem sie die Ergebnisse veröffentlichen.
Das Forschungsprojekt ist die weltweit größte Vorurteilsstudie, sowohl durch die zehnjährige Laufzeit als auch aufgrund der präzisen Unterscheidung verschiedener Vorurteile und ihrer Ursachen. Seit 2002 findet jährlich eine telefonische Befragung einer repräsentativen Auswahl der deutschen Bevölkerung statt. Im Mai und Juni 2011 wurden 2.000 Personen zu ihren Ansichten und Einschätzungen befragt.
Insgesamt beschreiben die Forscher vom IKG das zurückliegende Jahrzehnt als „entsichert“, richtungslos und instabil. Der Verlust von Sicherheit sei demnach in allen zentralen Lebensbereichen erfahrbar: im politischen, sozialen, wirtschaftlichen und religiösen Bereich, ebenfalls im Bereich der Lebensstile. Der Zustand der Unsicherheit ist nach Ansicht der Forscher zur neuen Normalität geworden. Mit Blick auf die Folgen für Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit könne dieser Zustand als eine „explosive Situation als Dauerzustand“ (Wilhelm Heitmeyer) beschrieben werden. Ereignisse mit Signalwirkung für diese Veränderungen sind laut den Forschern der 11. September 2001 mit seinen Folgen für die Islamfeindlichkeit, die Einführung von Hartz IV im Jahr 2005 oder auch die Krisen seit 2008 (Finanz-, Wirtschafts-, Fiskal-, und Schuldenkrise).
Das interdisziplinäre Institut für Konflikt- und Gewaltforschung ist Teil des Forschungsschwerpunkts „Menschliche Entwicklung, Konflikt und Gewalt“ (Human Development, Conflict and Violence) der Universität Bielefeld. Der Schwerpunkt befasst sich mit den komplexen Vorgängen sozialer Konflikte und Gewalt und umfasst dabei unter anderem soziale Zusammenhänge und Institutionen, die menschliches Dasein und menschliche Entwicklung in verschiedenen Gesellschaften und Kontexten prägen.
Kontakt:
Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer
Universität Bielefeld
Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG)
Telefon: 0521 106-3164 (Sekretariat 106-3162)
E-Mail: ikg@uni-bielefeld.de
Prof. Dr. Andreas Zick, Universität Bielefeld
Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG)
Telefon: 0521 106-2442 (Sekretariat 106-6917)
E-Mail: zick@uni-bielefeld.de