Pressemeldung Odenwaldkreis vom 9. November 2011
Odenwaldprogramm „Mensch – Natur – Kulturlandschaft“: Extensiv genutzte Flächen Artenreiches Grünland – Vielfalt auf heimischen Wiesen
Der Kreisausschuss des Odenwaldkreises belohnt mit dem Odenwaldprogramm „Mensch – Natur – Kulturlandschaft“ das Engagement für den Naturschutz im Kreisgebiet. Zu den besonderen Formen des uneigennützigen Einsatzes für die Natur, wie er im Rahmen des Odenwaldprogramms prämiert werden kann, zählt das Artenreiche Grünland – Vielfalt auf heimischen Wiesen.
„Ein Mensch ohne Liebe ist wie eine Wiese ohne Blumen“, so lautet ein altes Sprichwort. Vor 100 Jahren war dieser Vergleich noch aussagekräftiger als heute. Zu Zeiten, als das Gras noch zweimal jährlich von Hand gemäht und lediglich mit Mist gedüngt wurde, waren die heimischen Wiesen deutlich blumenreicher. Heute ist es für landwirtschaftlichen Betrieb aber nahezu unerlässlich, eine Wiese bis zu viermal jährlich zu mähen, um Silage zu erzeugen. Damit eine Wiese diesen hohen Ertrag bringen kann, ist starke Düngung nötig. Diese führt dazu, dass auf den Wiesen hauptsächlich starkwüchsige Gräser aufkommen und Kräuter und Blumen verdrängt werden. Der hohe Gräseranteil bringt dann zwar einen hohen landwirtschaftlichen Ertrag, doch die Vielfalt in unserer Natur wird geschmälert.
Auf intensiv genutzten Wiesen findet man lediglich 20 bis 30 verschiedene Pflanzenarten vor. Bei den blühenden Pflanzen auf Intensivwiesen handelt es sich meist um vier Arten: Löwenzahn, Hahnenfuß, Klee und Wiesenkerbel. Dies sind Pflanzen, die mit häufigem Schnitt und großen Düngermengen zurechtkommen.
Auf einer weniger stark, also extensiv genutzten Wiese wachsen oft weit über 100 Pflanzenarten, darunter viele Wiesenblumen. Margerite, Lichtnelke, Wiesenstorchschnabel, Glockenblume und auch Orchideen wie das Knabenkraut sind nur einige Beispiele typischer Blütenpflanzen des Odenwälder Grünlandes. An einigen wenigen Stellen im Odenwaldkreis gibt es diese vielfältig bunten, blütenreichen Wiesen noch. Man kann sie dann nicht nur mit den Augen wahrnehmen, sondern auch mit den Ohren: Für viele Insekten wie Schmetterlinge, Grillen, Hummeln und auch die Honigbiene sind solche Wiesen ein Paradies, was man am lauten Summen und Zirpen gut erkennen kann.
Damit eine derartige Vielfalt entstehen kann, muss ein niedrigerer Ertrag in Kauf genommen werden. Viele der derzeit extensiv genutzten Wiesen werden deshalb durch das Hessische Integrierte Agrarumweltprogramm (HIAP) gefördert. Wenn man keine Förderung durch das HIAP erhalten kann, zum Beispiel wenn der Bewirtschafter kein Landwirt ist, die Fläche zu klein ist oder besondere Bewirtschaftungsweisen nötig sind, die über die Regelungen des HIAP hinausgehen, kann man sich an das Odenwaldprogramm wenden. Schon in den letzten Jahren wurden blütenreiche Wiesen prämiert. Unter anderem meldeten sich auch Bewirtschafter von Flächen mit sehr seltenen Pflanzen wie dem Moorglöckchen, der Bienenragwurz oder der weißen Waldhyazinthe. Aber auch ohne das Vorkommen von Raritäten können extensiv genutzte, artenreiche Wiesen gefördert werden.
Wer sich gerne mit seinen Flächen bewerben oder einen Bewirtschafter / eine Fläche vorschlagen möchte, kann beim Kreisausschuss des Odenwaldkreises, Abteilung Landschaftspflege und Naturschutz, Scheffelstraße 11, Reichelsheim, Telefon 06164 505-0 sowie unter www.streuobstregion.de weitere Informationen erhalten.
Quelle: Pressedienst Odenwaldkreis
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Region : Odenwaldkreis
Themen : Gesellschaft, Natur, Odenwaldkreis, Pflanzen, Politik, Soziales, Tiere, Verwaltung