PRESSEMITTEILUNG der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) vom 08.01.2012
Sehr geehrte Redaktionen,
anbei unsere Pressemitteilung zu Kontroversen bei der Gründung einer Bürgerinitiative gegen Massentierhaltung in Jümme (Landkreis Leer),
außerdem Hintergrundinformationen zum Thema.
Mit freundlichen Grüßen
Eckehard Niemann
Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft – AbL
Landesverband Niedersachsen-Bremen 0151-11201634
Für ernsthaftes Bauern-Engagement gegen Agrarfabriken in Bürgerinitiativen
Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) begrüßt die Teilnahme einer großen Zahl von Landwirten aus dem Landkreis Leer an der Gründungsversammlung der „Bürgerinitiative Jümme“, die sich gegen Massentierhaltung in der Samtgemeinde einsetzen will. Gleichzeitig appelliert sie an die Berufskollegen und insbesondere an die Landwirte im Vorstand der neuen Bürgerinitiative, durch eine aktive Mitarbeit gegen geplante Agrarfabriken die Befürchtungen anderer Bürger auszuräumen, hier handele es sich um eine bloße „Übernahme“ der Bürgerinitiative zu deren Lähmung durch den Bauernverband. Alles andere wäre nur scheinbar „erfolgreich“, in Wirklichkeit aber perspektivlos und werde der gesellschaftlichen Akzeptanz der Landwirte schaden. Die allermeisten Landwirte hätten ja handfeste Gründe zur Beteiligung am Widerstand gegen agrarindustrielle Strukturen. Die AbL bietet angesichts von zweifellos bestehendem Misstrauen und langjährig geschürten Vorbehalten zwischen Landwirten und anderen Bürgern ihre Unterstützung bei der Moderation der Diskussionen und der Suche nach geeigneten Organisationsstrukturen an.
„Die allermeisten Landwirte sind aus ureigenstem Interesse gegen das weitere Vordringen von Agrarindustrie und Massentierhaltung“, so Ottmar Ilchmann als Sprecher der AbL-Regionalverbands Weser-Ems, „denn Agrarfabriken und Konzerne verdrängen in der Geflügelhaltung, zunehmend in der Schweinehaltung und Biogasbranche und auch schon in der Milchviehhaltung mittelständisch-bäuerliche Strukturen.“ Die Grenzen des Bundes-Immissionschutz-Gesetzes (1500 Schweinemastplätze, 560 Sauen, 600 Rinder oder 15.000 Geflügelplätze) könne man als Anhaltspunkt für die Abgrenzung gegen Agrarfabriken nutzen.
Wo eine Großmastanlage im Außenbereich gebaut werde, da schöpften diese oft allein die Höchstgrenzen möglicher Geruchsimmissionen aus – so dass kein anderer Bauer jemals mehr seinen Stall erweitern könne. Laut Angaben von Beratern seien bereits 30 Prozent aller Schweinehalter nur noch als verdeckt-abhängige Lohnmäster von Futtermittellieferanten oder Tierärzten tätig. Die ruinöse Abhängigkeit von Vertragsmästern in der Geflügelindustrie, die Haltungsbedingungen in den Großställen, der Druck auf dem Pachtmarkt und die Sorge um die abnehmende Akzeptanz in der Gesellschaft seien weitere Gründe für das Engagement von Bauern gegen agrarindustrielle Strukturen.
Die AbL habe die Landwirte seit langem zu einem massiven Engagement in den Bürgerinitiativen und im bundesweiten „Netzwerk Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ aufgerufen und die Chance eines Bündnisses mit wichtigen gesellschaftlichen Gruppen aus Umwelt- und Tierschutz auch für landwirtschaftliche Interessen aktiv zu nutzen. Es sei höchste Zeit, dass sich die große Zahl der agrarindustrie-unabhängigen Landwirte jetzt aktiv und ohne Berührungsängste in die laufende Diskussion um ein Bauverbot für agrarindustrielle Großanlagen, die Bindung der Tierhaltung an die Fläche und um neue Tierschutz-Vorgaben für eine artgerechte Tierhaltung einmische. Eine artgerechte Tierhaltung sei strukturell nur in mittelständisch-bäuerlichen Strukturen möglich. Diese EU-weit zu verankernden Vorgaben hätten zudem den Effekt, die derzeitigen preisdrückenden Überschüsse zu verringern und somit Spielraum zu eröffnen für faire Erzeugerpreise.
Die AbL ruft zugleich auf zur gemeinsamen Beteiligung von Bauern und Bürgern an der Demonstration „Wir haben es satt“ am 21.1. um 11.30 Uhr ab Hauptbahnhof Berlin für eine andere Agrarpolitik. (3.585 Zeichen)
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