Unterwegs zwischen Wardenburg und Achternholt. Das Foto habe ich am 20.10.2011 aufgenommen. Der gezeigte Acker liegt am Weg “Zum Rahen”. Blickrichtung Wassermühlenweg. Die leuchtend grüne Fläche im Hintergrund ist Raps als Winterbegrünung. Links und rechts abgeerntete Maisäcker. Die dunkle Fläche frisch umgebrochen. Am Wall die Spuren von Herbizideinsatz. Ich nehme an, der Landwirt wollte durch die Pestizide verhindern, dass die Gräser in seine Ackerfläche einwandern. Aber jetzt im Herbst? Vielleicht wollte er durch die Beseitigung der Vegetation auch die Erosion fördern, damit der Wall sich vom Acker macht.
Auf dem Erdwall eine Baumreihe, kaum Gebüsche. Lockerer Stacheldraht, an die Bäume genagelt, erinnert daran, dass der heutige Acker bis vor einigen Jahren als Grünland genutzt wurde, genauer als Viehweide.
Einst waren die Wälle hier dicht an dicht von Büschen bestanden. Deren Stämme wurden bei Bedarf mit einem Beil oder Gärtnermesser so behandelt, dass sie umgeknickt und miteinander verflochten werden konnten. Daher der Name “Knick”. Ziel der Übung war, die Hecke für das Weidevieh undurchdringlich zu machen.
Damit die Sträucher nicht durchwuchsen, wurden sie immer wieder einmal “auf den Stock gesetzt”: Die Stämme wurden also abgesägt oder abgeschlagen. Geeignet als Knickpflanzen waren somit nur Gehölze, die nach dem Hieb aus dem Wurzelstock wieder austreiben. Nach dieser Knickpflege taugten die Hecken einige Jahre nicht als Abgrenzung. So lange wurden die angrenzenden Flächen als Wiese oder Acker genutzt.
Die Erfindung des Stacheldrahtes läutete den Niedergang der dichten Hecken ein. Die Sträucher wurden nicht mehr gepflegt und überalterten. Natürliche Verjüngung fiel dem Maul der Kühe zum Opfer. Brennholz für den Ofen, Beeren für die Küche waren nicht mehr begehrt.
Irgendwann werden auch die Bäume auf den verfallenden Wällen überaltern. Dann haben die Maschinen endlich freiere Fahrt. Oder?
Nachtrag vom 25.10.2011: Ich habe mir die Situation nochmals angeschaut. Entstanden ist eine kleine Bildserie unter dem Titel: Praktische Anleitung zur mittelfristigen Beseitigung eines Knicknetzes
Eine Anmerkung: Ich habe hier Infos über Knicks gebracht, wie ich sie vor Jahrzehnten in Schleswig-Holstein gelernt habe. Regional gibt es sicher Unterschiede. Ich freue mich über jede sachkundige Information ( per Kommentarfunktion oder per Mail an hklemp111@googlemail.com )
