Pestizide sind ein größeres Problem als bislang angenommen wurde. So lautet das Fazit des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung aus einer neuen und sehr umfassenden Studie, in deren Rahmen Daten zu 500 verschiedenen organischen Substanzen in den Einzugsgebieten von vier großen europäischen Flüssen ausgewertet wurden. Dabei zeigte sich, dass 38 Prozent dieser 500 Chemikalien in Konzentrationen vorkommen, bei denen Wirkungen auf Organismen nicht auszuschließen sind. In meinem laienhaften Klartext: 190 der untersuchten 500 Chemikalien kamen irgendwo in den untersuchten Flüssen in bedenklichen Mengen vor.
Luftbild der Elbe. Der Schwerpunkt der Studie lag auf den organischen Schadstoffen, die bei über 750.000 Wasseranalysen in den Einzugsgebieten der Flüsse Elbe (Tschechien/Deutschland), Donau (10 Europäische Anrainerstaaten), Schelde (Belgien), und des Llobregat (Spanien) registriert wurden. Foto: André Künzelmann/UFZ
Im Fachmagazin „Science of the Total Environment“ schreiben die Wissenschaftler, ihr Ergebnis zeige, dass die Verschmutzung der Gewässer mit organischen Chemikalien ein europaweites Problem sei. Dabei gehörten die meisten der Substanzen, die in ihrer Studie als Risiko für die Umwelt eingestuft wurden, zu solchen Pestiziden, die bisher nicht auf der europäischen Liste „prioritärer Stoffe“ stehen. Nach den meisten der von ihnen in gefährlichen Konzentrationen vorgefundenen Stoffe wird bei den Routine-Wasseruntersuchungen also gar nicht gesucht. Eine Überarbeitung der Chemikalienliste, die die nationalen Behörden im Rahmen der EU-Wasserrahmenrichtlinie beobachten müssen, sei dringend notwendig.
Bisher werden 33 sogenannte „prioritäre Stoffe“ bei Gewässerproben untersucht. Insgesamt stuften die Wissenschaftler jetzt 73 Verbindungen als potenzielle prioritäre Schadstoffe ein, also 40 mehr als bisher. Rund zwei Drittel davon sind Pestizide, so genannte Pflanzenschutzmittel, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden, um die Kulturen vor Krankheiten, Schädlingen oder Unkräutern zu schützen. Die problematischsten Pestizide waren dabei Diazinon, das in Deutschland und Österreich bereits nicht mehr zugelassen ist, und die in Mitteleuropa erlaubten Stoffe Azoxystrobin und Terbuthylazin.
„Beide (letztgenannten) Pestizide stehen nicht auf der Liste der 33 prioritären Schadstoffe, die die Behörden EU-weit kontrollieren müssen“, erklärt der UFZ-Forscher Dr. C. Peter von der Ohe. „Terbuthylazin ist strukturell sehr ähnlich den beiden prioritären Stoffen Simazin und Atrazin, die längst nicht mehr zugelassen sind. Dies ist ein Beispiel wie kleine Änderungen der chemischen Struktur zu einer scheinbaren Verbesserung des chemischen Zustands führen, ohne dass die Gefährdung für aquatische Ökosysteme tatsächlich abnimmt.“
Die Pressemitteilung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) finden Sie hier.

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