Was haben Goldammer, Feldlerche, Rebhuhn, Steinkauz, Neuntöter, Kiebitz und Weißstorch gemeinsam? Aufgrund ihrer Lebensansprüche sind sie auf landwirtschaftlich genutzte Flächen angewiesen. Zusammen mit weiteren etwa 40 Vogelarten in Deutschland oder Mitteleuropa werden sie in der Vogelkunde deshalb als „Feldvögel“ bezeichnet.
Im Detail sind ihre Ansprüche dabei durchaus unterschiedlich. Die einen brauchen eher ausgedehntes Feuchtgrünland, die anderen die kleinstrukturierte Kombination aus Hecken, Äckern, Wegrainen und Grünland; wieder andere weite, aber extensiv bewirtschaftete Felder.
Gemeinsam ist ihnen bei all den Verschiedenheiten wieder: Feldvögel sind inzwischen die am stärksten bedrohte Vogelartengruppe in Deutschland. Zwei Drittel der Feldvogelarten stehen in der Roten Liste der bedrohten Arten! Und je ausgeprägter sie von der Agrarlandschaft abhängig sind, desto stärker sind sie gefährdet.
Dabei wurden sie einst durch die sich entwickelnde Landwirtschaft erst zu Feldvögeln gemacht! Ursprünglich lebten sie in Auenwiesen, die durch Überschwemmungen, Treibeis und große Graser wie Wisent, Auerochsen, Tarpane und Hirsche freigehalten wurden. Auf trockeneren Standorten sorgten Stürme, Eisregen, Feuer für Offenland – wieder in Verbindung mit den genannten Weidetieren. Auch Hochmoore kommen als natürliche Heimat bei einzelnen Feldvögeln in Betracht – und andere wanderten aus östlichen Steppen und natürlichen Magerrasen ein.
Unsere bäuerlichen Vorfahren schufen einst ein Eldorado für Feldvögel. Und dann kamen die Industrialisierung, der „Kunstdünger“ und eine immer stärker zunehmende Intensivierung der Landnutzung. Bis in die 1990er Jahre ging es mit den Feldvögeln rapide bergab. Durch Naturschutzmaßnahmen in einem Teil der Agrarlandschaft wurde der Niedergang seitdem gebremst, aber insgesamt nicht gestoppt.
An dieser Stelle sei auf jede (Be-) Wertung verzichtet.
Stattdessen möchte ich auf eine Broschüre aufmerksam machen, die der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) erstellt hat – mit finanzieller Unterstützung durch die Gregor Louisoder Umweltstiftung. Das 47 Seiten starke Heft trägt den Titel „Vögel der Agrarlandschaft – Bestand, Gefährdung, Schutz“ und stellt unter anderem die verschiedenen Feldvogelarten vor. Es werden ihre Lebensansprüche beschrieben, über ihre Bestandsentwicklung berichtet, mögliche Schutzmaßnahmen benannt.
Um die Auswirkungen verschiedener Methoden der Landbewirtschaftung beurteilen zu können, hat der NABU in seiner Studie zahlreiche Einzeluntersuchungen ausgewertet. Ein Blick in die Tabellen zeigt: Studien zu annähernd gleichen Fragestellungen kommen durchaus auch zu unterschiedlichen Ergebnissen. So profitiert in drei Studien die Feldlerche signifikant vom ökologischen Landbau, in zwei Studien profitiert sie auf geringerem Niveau, in einer „bekommt“ ihr der konventionelle Landbau besser – alle diese Angaben bezogen auf Untersuchungen während der Brutzeit.
Das tabellarische Gesamtergebnis aber ist eindeutig: Feldvögel nehmen in ökologisch bearbeiteten Flächen zu. Insgesamt brauchen sie eine bäuerliche Landschaft, die deutlich naturfreundlicher bewirtschaftet wird als die “normal-intensive” Agrarlandschaft von heute!
Naturbeobachtung und Kenntnis der Lebensansprüche der verschiedenen Feldvogelarten, dazu viel Schreibtischarbeit, statistische Berechnungen und intensive Beschäftigung mit der Agrarpolitik verbinden sich hier zu einer Essenz aus Sachverstand und Liebe zur Natur.
Wer ein wenig in den Unterlagen stöbern will – hier ist die Feldvogel-Studie des NABU
Vor allem die Beschreibung der Arten und ihrer Lebensansprüche wird die Augen öffnen für das Bauernland vor unserer Tür.
THX that’s a great anewsr!