Wardenburg: Er dürfte zur Zeit der bekannteste Acker in der Gemeinde sein: Am viel begangenen Weg zwischen Tillysee oder Hochzeitswald und Kernort Wardenburg gelegen, springt er geradezu ins Auge. Wundervoll leuchtet das warme Rotgelb von abertausend Tagetes. An den derzeit sonnig-warmen Herbsttagen werden die Pflanzen noch eifrig von Bienen besucht. Auf der Naturschutzfläche direkt nebenan stehen Bienenkörbe. Besteht da ein Zusammenhang?
Einige nette Passanten am Acker angesprochen, dann ist mir der gegenwärtige Nutzer der Fläche bekannt: Es ist Joachim Thees vom Obst- und Gemüsebau Thees. Abends rufe ich auf dem Thees-Hof an. „Nein, mit den Bienen hat das Tagetes-Feld nichts zu tun,“ erklärt der Bauer. Vielmehr sei es eine Maßnahme zur Bodenverbesserung und zur Bekämpfung von Nematoden. Im nächsten Jahr werde er hier Erdbeerpflanzen anbauen und vermehren. Da wolle er sicher gehen, dass die Pflanzen nicht von Fadenwürmern befallen würden. Es sei nämlich so, dass sich unter verschiedenen Kulturen, beispielsweise unter Erdbeeren, Kartoffeln, Mais – weniger unter Getreide – Nematoden vermehren würden. Die auch als Älchen bekannten Schädlinge fressen am Wurzelwerk der Nutzpflanzen, die daraufhin kümmern oder gar absterben.Würden mehrere dafür prädestinierte Kulturen aufeinander folgen, gäbe es ein Problem. Tagetes seien nun wahre Nematoden-Vernichter.
Nach dem Telefonat habe ich noch gegoogelt. Ich fand dort auf einer Seite von „Mein Schöner Garten“ folgende Aussage: „Intensiv genutzte Gärten leiden wegen einer zu engen Fruchtfolge schnell an Bodenmüdigkeit. Möhren werden beinig, Rosen, Erdbeeren und Obst wollen nicht mehr wachsen, viele Gemüse lassen stark in den Erträgen nach und zeigen bärtiges Wurzelwachstum. Parasitäre Fadenwürmer oder Bodenälchen (Nematoden) sind die Ursache.“
Warum die Nematoden von den Tagetes dezimiert werden fand ich an anderer Stelle im Netz: Demnach senden die Wurzeln der Blume einen Lockstoff aus, der die Fadenwürmer regelrecht anzieht. Dringen die Älchen aber in das Wurzelwerk ein, so wehrt sich die Pflanze durch Bildung von Peroxydasen, etwa Ozon. Dieser Sauerstoff führt zum Tod des eingedrungenen Fadenwurms.
Also: Das Tagetesfeld von Joachim Thees erfreut das Auge, nützt den Bienen und bekämpft Nematoden. Sind die Blumen später verwelkt, werden sie eingearbeitet und dienen dem Humusaufbau.

Guten Tag,
der Einsatz von Tagetes zur Bekämpfung von Nematoden funktioniert tatsächlich. Leider werden aber nur die wandernden Wurzelnematoden erfasst. Zysten bildende und Gallen erzeugende Nematodenarten, wie sie sich etwa stark vermehren, wenn man auf gleicher Fläche mehrere Jahre lang Kartoffeln oder Rüben anbaut, werden durch Tagetes nicht beeinträchtigt. Die Blumen sind also keine Wunderwaffe gegen fehlende Fruchtfolgen generell.
Sehr wertvoll sind sie aber wieder als Gründüngung und damit zum Humusaufbau. Über die Bedeutung von Humus sollten Sie unbedingt einmal schreiben. Gerade, da in heutigen Zeiten beispielsweise bei intensivem Maisanbau massiv Humus abgebaut wird.
übrigens: Ihre Internetpräsenz gefällt mir sehr gut, ich werde sie öfter besuchen!
Mit besten Grüßen aus Stolpe in Schleswig-Holstein
Dr. Helmut Haardt
Abteilung Biologischer Pflanzenschutz bei re-natur GmbH